| Vorbemerkungen zu diesem Befehl: |
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Am 07. November 1989 trat Keßler als Verteidigungsminister zusammen mit den anderen Mitgliedern der Regierung Stoph zurück. Er leitete aber zunächst
geschäftsführend das Ministerium weiter und wollte das Amt auch in der neuen Regierung ausüben.
Am 09.11.1989 hatte Günter Schabowski vor laufenden Kameras in Berlin die sofortige Öffnung der Grenze bekanntgegeben.
Am 12.11.1989, drei Tage später, erließ Keßler nachfolgenden Befehl. Mit diesem Befehl forderte er die Einheiten der NVA und der Grenztruppen angesichts der
Maueröffnung zur aktiven Teilnahme an einer „revolutionären Erneuerung“ der DDR auf.
5 Tage später, am 17.11.1989 verzichtete er auf ein Amt in der neuen Regierung.
Und am 15.12.1989 wurde er auf eigenen Wunsch aus der NVA entlassen. |
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MINISTERRAT
DER DEUTSCHEN DEMOKRATISCHEN REPUBLIK
MINISTERIUM FUER NATIONALE VERTEIDIGUNG |
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| B E F E H L NR 124/89 |
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| DES MINISTERS FUER NATIONALE VERTEIDUGUNG |
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| UEBER |
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DIE GEGENWAERTIGEN AUFGABEN DER NVA UND
DER GRENZTRUPPEN DER DDR |
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| VOM 12.11.1989 |
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Die Wende zu einer revolutionären Erneuerung des Sozialismus in der DDR ist eingeleitet. Sie wird durch die Nationale Volksarmee und die
Grenztruppen der DDR aktiv mitgestaltet.
Jeder versteht, daß die Bewältigung der wahrhaft großen komplizierten Aufgaben des sicheren Friedens, der Ruhe und Ordnung bedürfen.
Entsprechend der Verfassung der Deutschen Demokratischen Republik schützen die Nationale Volksarmee und die Grenztruppen der DDR
die sozialistischen Errungenschaften des Volkes gegen all Angriffe von Außen.
Die Situation in der DDR ist angespannt und widersprüchlich. Das beunruhigt zu Recht alle, denen das Schicksal und die weitere Entwicklung
unserer sozialistischen Heimat am Herzen liegen. Jedem Angehörigen der Nationalen Volksarmee und der Grenztruppen der DDR muss in dieser
kampferfüllten Zeit seine Verantwortung für den zuverlässigen Schutz des friedlichen und glücklichen Lebens unserer Frauen und Kinder,
der Veteranen und der Jugend, aller Bürger unseres gemeinsamen sozialistischen Vaterlandes bewußt sein: Die revolutionäre Erneuerung in der DDR
braucht Frieden und Sicherheit. Sie braucht die patriotische Haltung und Mitwirkung. |
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| Dazu |
| B E F E H L E I C H |
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| 1. |
Die Nationale Volksarmee hat entsprechend ihrem Verfassungsauftrag (Artikel 7 und 27) und ihren Bündnisverpflichtungen
im Warschauer Vertrag die Sicherheit der DDR und des friedliche Leben der Bürger unseres Vaterlandes zu schützen und
eine Verletzung der Souverät unseres Staates nicht zu zulassen. |
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| 2. |
Zur Aufrechterhaltung der ständigen Gefechtsbereitschaft sind in den Führungsorganen und Truppen die notwendigen Kräfte
in Verantwortung der Stellvertreter des Ministers sowie Chefs und Leiter zu planen und einzusetzen. |
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| 3. |
Die Angehörigen der Nationalen Volksarmee haben sich als Soldaten des Volkes zu bewähren und alles zu tun, um die Einheit
von Volk und Armee zu gewährleisten.
Dazu ist dem Staats- und Wirtschaftsorganen, den Einrichtungen des Gesundheitswesens, den Betrieben des Transportwesens
und des Handels entsprechend unseren Möglichkeiten Hilfe und Unterstützung zur Erfüllung lebenswichtiger Aufgaben
zu geben.
Weitere Aufgaben werden durch den Minister für Nationale Verteidigung befohlen. |
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| 4. |
Im breiten Dialog mit allen Angehörigen der Nationalen Volksarmee und der Grenztruppen der DDR ist ihr Engagement für die
revolutionäre Erneuerung in unserem sozialistischen Vaterland auszuprägen.
Die wehrpflichtigen Zeitsoldaten, Berufskader und Zivilbeschäftigten sind zu bestärken, aktiv am Erneuerungsprozeß
auch in der Nationalen Volksarmee und in den Grenztruppen der DDR teilzunehmen. |
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| 5. |
Alle befohlenen Aufgaben sind mit hoher militärischer Organisiertheit, diszipliniert und initiativreich durchzuführen. |
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| Ich danke allen für aufopferungsvolle Pflichterfüllung in diesen Tagen. |
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| Dieser Befehl ist allen Angehörigen der Nationalen Volksarmee und der Grenztruppen der DDR sowie den Zivilbschäftigten bekannt zu geben. |
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| Anmerkungen: |
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Der letzte Befehl von Armeegenral Heinz Keßler, der Befehl Nr. 125/89 wurde ebenfalls am 12.11.1989 erlassen.
Er trug den offiziellen Titel „Über die Gewährleistung der zeitweiligen Unterbringung von Rückkehrern“.
Inmitten der dramatischen Entwicklungen wenige Tage nach dem Mauerfall reagierte die DDR-Führung mit diesem Befehl auf die (politisch
erhoffte, aber letztlich völlig ausbleibende) Erwartung, dass nun massenhaft DDR-Bürger aus der Bundesrepublik in die DDR zurückkehren würden. |
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